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„Gefällt mir“ – Ersetzen Facebook und Co. bald alle persönlichen Kontakte?

18. Februar 2014

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Wer erkennt eigentlich noch seinen eigenen Klingelton, wenn er angerufen wird? Wer spürt nicht auch manchmal dieses schmerzhafte Gefühl im Daumen, so als hätte man ihn zu oft zu einseitig genutzt? Wahrscheinlich kommen diese Aussagen vielen unter 30-Jährigen bekannt vor, denn heutzutage telefoniert man nicht mehr, man schreibt sich via WhatsApp oder Facebook.

An sich ist daran nichts Verwerfliches. Jugendliche haben heutzutage mehr Kontakte als Jugendliche früher – allerdings finden diese nur selten persönlich statt, sondern nun mal häufiger durch das Smartphone oder das Internet. Umfrageergebnisse der Internetseite Deals.com zeigten, dass für unter 30-Jährige telefonieren mehr oder weniger „out“ und dafür chatten „in“ ist. Auf Fragen wie „Was benutzen Sie häufig, um sich für ein Date zu verabreden?“ antworteten 47 Prozent der unter 18- bis 29-Jährigen und nur 33 Prozent der 30- bis 39-Jährigen mit SMS. Allerdings zeigte sich auch, dass nur die wenigsten von Verabredungen über SMS und Chat genervt waren: Bei den unter 30-jährigen waren es 13 Prozent, bei den unter 40-Jährigen nur 6 Prozent. Nicht nur die Jüngeren der Gesellschaft sind also inzwischen vom Chat-Gen befallen, sondern auch ältere Generationen.

Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass Facebook kürzlich seinen 10. Geburtstag feierte. Zusammen mit dem sozialen Netzwerk sind auch die Nutzer gealtert. Vielleicht gehörten sie zu Beginn von Facebook zur Gruppe der unter 30-Jährigen, inzwischen sind allerdings auch sie älter geworden. Die „Generation Facebook“ hat inzwischen womöglich schon ein eigenes Haus, lebt klassisch auf dem Land und fährt womöglich schon einen praktischen Familienwagen. Und die Plattform WhatsApp, von der keiner so wirklich voraussagen kann, in welche Richtung sie sich entwickeln wird, hat inzwischen Nutzer in allen Altersschichten. Das erschwert verallgemeinernde Aussagen über bestimmte Altersgruppen.

Machen soziale Netzwerke letztlich durch diese Punkte unsozial? Oder fördern sie Bekanntschaften sogar, weil sie Kontaktaufnahmen vereinfachen und Gespräche auflockern? Psychologen sind sich da äußerst uneins. Während die einen darauf beharren, dass soziale Netzwerke jedwedes soziales Verhalten missen lassen, meinen andere, dass Vor- und Nachteile vorhanden sind. Letztlich kann es gut sein, dass man sein eigenes Selbst ganz schnell mit seinem Avatar verwechselt und sich selbst nicht mehr als der Mensch erkennt, der man ist, sondern als der, den man auf Facebook darstellt. Sollten soziale Netzwerke wirklich verteufelt werden? Oder bieten sie neue Möglichkeiten, die man nur zu kontrollieren lernen muss? Ein schwieriges Thema, auf das noch keiner die allgemein gültige Antwort gefunden hat.



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